WARUM FORSCHUNG?

1. Ausgangslage

Die Ausgaben für Gesundheit in Österreich sind in den letzten Jahren stark gestiegen. Wurden 1990 erst 8,4 % des BIP dafür ausgegeben, sind es heute schon 11 % oder 36 Mrd. Euro – Tendenz stark steigend. Experten schätzen ca. 5 % pro Jahr. Das ist weitaus höher als der Anstieg des BIP.

 

Gründe dafür sind das steigende Alter der Bevölkerung, zunehmende Fettleibigkeit, besser informierte Patienten sowie höhere Behandlungskosten. Die Ausgaben des österreichischen Staates für Forschung und Entwicklung im Gesundheitswesen belaufen sich auf 0,25 % des BIP.

Die Ausgaben für die Forschungs- und Entwicklungsarbeit an Universitätskliniken sind allerdings stark gesunken – von 2,8 % (2007) auf 2,3 % (2013) – während die Kosten dafür überproportional steigen. Dies liegt an:

 

  • Höheren Anforderungen an Qualität und Sicherheit
  • Gestiegenen Input-Kosten
  • Komplexeren Fragestellungen
  • Höherer Komplexität der klinischen Studien
  • Zusätzlichen Anforderungen an Datenakquisition in allen klinischen Stadien
  • Geringerer Forschungs- und Entwicklungs-Produktivität

2. Was ist medizinische Forschung?

Medizinische Forschung umfasst im weiten Sinne alle Formen der Erforschung von Ursachen, Entstehung und Verlauf von Krankheiten sowie die wissenschaftliche Beschäftigung mit ihrer Erkennung und Behandlung.

 

Es gibt unterschiedliche Aspekte der medizinischen Forschung, die isoliert für sich bearbeitet werden, aber auch in einem Projekt miteinander vernetzt sein können. Dabei ist es nicht untypisch, dass ein und derselbe Wissenschaftler in einander folgenden Abschnitten der wissenschaftlichen Laufbahn die unterschiedlichen Formen medizinischer Forschung praktiziert.

Diese unterschiedlichen, aber voneinander untrennbaren Aspekte sind:

  • Die grundlagenorientierte Forschung, in deren Mittelpunkt der Erkenntnisgewinn in biologischen Systemen (Molekularbiologie, Genetik, Biochemie, Immunologie, Physiologie usw.) steht, der in der Folge zur Erforschung krankheitsrelevanter Fragestellungen beitragen kann.
  • Die patientenorientierte Forschung, die direkt am und mit dem Patienten oder Probanden durchgeführt wird. Darunter fallen vor allem klinische Studien aller Phasen, und auch epidemiologische und Fall-Kontroll-Studien sowie weite Bereiche der Vorsorgeforschung. Patientenorientierte Forschung erfordert den direkten Kontakt zwischen den Wissenschaftlern/Ärzten und den Patienten/Probanden.
  • Die krankheitsorientierte Forschung, die an Modellsystemen, zum Beispiel In-vitro-Systemen oder in Tierversuchen mit den Methoden der modernen Biologie einen Einblick in die Pathophysiologie und die genetischen Ursachen von Krankheiten zu gewinnen versucht und Ansätze für mögliche therapeutische Maßnahmen erprobt. Krankheitsorientierte Forschung hat zum Ziel, die Pathogenese und die Behandlung von Krankheiten zu verstehen, benötigt dazu aber nicht den direkten Kontakt mit dem Patienten.

3. Warum ist medizinische Forschung wichtig?

Das Ziel der medizinischen Forschung ist, das Leben der Gesamtbevölkerung zu verlängern und die Lebensqualität zu verbessern. Sie soll das Wissen in den Bereichen Medizin und Gesundheit erweitern und untermauern.

 

Medizinische Forschung lehrt uns, zu verstehen, wie unser Körper funktioniert, warum wir krank werden und was wir tun können, um gesund zu bleiben.

 

Sie hat einen hohen Wert für das Allgemeinwohl der Menschen: sie gibt Informationen über Krankheitstrends, Risikofaktoren und Behandlungsmethoden.

Nutzen der medizinischen Forschung für die Gesellschaft

  • Verbesserung der Lebensqualität
  • Verbesserung der Nebenwirkungsraten
  • Zielgerichteter Einsatz von Therapien/Medikamenten
  • Senkung der Sterblichkeit und Morbidität durch verbesserte Prävention und Therapien
  • Optimierte Therapien und Medikamente verbessern die Gesundheit der Bevölkerung und entlasten das öffentliche Gesundheitssystem

Nutzen der  medizinischen Forschung für die Patienten

  • Schonendere und effizientere Behandlung der Erkrankten
  • Früherer Zugang zu neuen Therapien und Medikamenten
  • Verbesserung der Lebensqualität von Erkrankten (z.B. durch Reduktion der Nebenwirkungen)
  • Verlängerung der Lebensdauer von Erkrankten bei guter Lebensqualität
  • Vermeidung von Krankheiten (z.B. durch Impfung)
  • Insgesamt bessere Gesundheit

Nutzen der medizinischen Forschung für die Medizin

  • Führt zu wichtigen Entdeckungen und Durchbrüchen
  • Verbessert das Verständnis über die Krankheitsentstehung
  • Entwicklung neuer Therapien und Technologien
  • Schnellerer Zugang dazu
  • Expertenteams und Centres of excellence sind schneller auf den laufenden Stand gebracht und fortgebildet
  • Änderungen des Individual- und Gruppenverhaltens erfolgen schneller
  • Hilft die Qualität der bestehenden Therapien permanent zu verbessern
  • Ermöglicht Ärzten die optimale Therapie für ihre Patienten zu wählen

Nutzen der medizinischen Forschung für die Wirtschaft Österreichs

  • Längere Lebensdauer erhöht wirtschaftliche Produktivität
  • Sie ist Motor von Wohlstand und Wachstum durch Stärkung der lokalen Pharma, Biotech, Startup und R&D (Research & Development) Szene
  • Erwirtschaftet zusätzliches Einkommen für das Gesundheitswesen/Academia durch Lizenzen von geistigem Eigentum
  • Bringt Investorengelder nach Österreich
  • Reduziert die Abwanderung von Medizinern und Forschern ins Ausland (brain drain)

Nutzen der medizinischen Forschung für die Wissensgenerierung

  • Grundlagenwissen über die Vorgänge und Zusammenhänge im menschlichen Körper wird vertieft
  • Fundiertes Grundlagenwissen bildet die notwendige Basis für krankheitsorientierte und patientenorientierte Forschung

Medizinische Forschung hat einen unschätzbaren Einfluss auf unser Leben: sie verbessert die öffentliche Gesundheit, sie verlängert unser Leben, sie mindert die Belastung durch Krankheit und Behinderung und am aller wichtigsten: sie rettet Leben!

Wir müssen unbedingt die medizinische Forschung weiterhin mit aller Kraft unterstützen, von öffentlicher wie von privater Seite, um das gesamte Spektrum von Prävention, Früherkennung sowie Diagnose, Behandlung und langfristigem Überleben zu verbessern. Spenden an die medizinische Forschung fördern die Wirtschaft, kreieren Arbeitsstellen in Österreich und retten Leben.

Brustkrebsforschung im Wandel der Zeit

Geschichte der Brustkrebsforschung

 

1890: Entwicklung der radikalen Mastektomie

1895: Entwicklung der Seed und Soil Therapie

1910: Gründung der „Gesellschaft für Erforschung und Bekämpfung der Krebskrankheit“

1960: Mammografie als diagnostische Methode eingeführt

1968: Identifizierung des Östrogenrezeptors

1972: Brusterhaltende Operation wurde eingeführt

1980: Entwicklung der „Fisher-Hypothese 2“

1985: Identifizierung der zellulären Wachstumsfaktor-Rezeptoren und somit auch die Entwicklung des ersten „Target-Medikaments“

1993: Erster Einsatz des HER2-Antikörpers „Trastuzumab“

2000: Definition eines neuen „molekularen“ Konzepts des Mammakarzinoms – Definition der Genexpressions-Subtypologie

2015: Ära der auf veränderte Tumorzellbiologie gerichteten Therapeutika; Prädikation und Biomarker-stratifizierte Therapieverbesserungen; Zunehmende Komplexität onkologischer Behandlungskonzepte erfordert eine neue Qualität der Versorgungsstruktur